Existenzgründungen

Analyse: Apothekengründungen 2019

Trends bei Apothekengründungen 2019

Ideeler Wert von Apotheken
Der ideelle Wert  war der prägende Faktor, der die so unterschiedlichen Gesamtinvestitionen erklärt.
Deutlich sinkende Übernahmepreise bei Apothekenverbünden
Einerseits steigt der Anteil der sehr gut laufenden Apotheken, für die auch die Existenzgründer bereit sind, hohe, teils siebenstellige Kaufpreise zu bezahlen. Andererseits stehen zahlreiche kleine Apotheken zum Verkauf, für die nur geringe Preise gezahlt werden.
Existenzgründer werden jünger
Auch 2019 stieg der Anteil an Existenzgründern deutlich auf 12 Prozent, die sich zum ersten Mal niedergelassen haben und unter 30 Jahren alt waren.
Apothekenverbünde weiterhin attraktiv
Neben der klassischen Übernahme einer Einzelapotheke wird etwa ein Fünftel der Apotheken im Verbund gekauft. Die kleinste Verbundvariante aus Haupt- und einer Filialapotheke kommt am häufigsten vor. Doch größere Verbundübernahmen, also mit zwei oder drei Filialen, nehmen zu.
Komplettpakete bei Apothekenübernahmen

So gründen Apotheker 2019 - Trends + Zahlen


Zwischen symbolischem Euro und Spitzenpreis

Laut der jüngsten Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) zu den Apothekengründungen 2019 lag der durchschnittliche Kaufpreis einer Apotheke bei 367.000 Euro. Gegenüber 2018 ist er im Schnitt um 20 Prozent gesunken.

Dennoch hat der durchschnittliche Kaufpreis nur begrenzte Aussagekraft. Insbesondere die hohen Anteile der beiden niedrigen und der größten Kaufpreisgruppen sprechen dafür, dass es den „typischen“ Preis nicht gibt. So wurden 63 Prozent der Apotheken zu einem günstigeren Kaufpreis unterhalb des Durchschnitts gekauft. 37 Prozent lagen mit ihrem Kaufpreis oberhalb des Durchschnitts.

Insbesondere der Blick auf den  Median des Übernahmepreises mit nur 280.000 Euro zeigt, dass einige sehr teure Apotheken den Durchschnitt von 367.000 Euro stark nach oben ziehen. Gerade die großen Spannen bei den Übernahmepreisen, die auch gewisse Schwankungen in den letzten Jahren mitgemacht haben, legen einen Zusammenhang zwischen Niederlassungsverhalten und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen nahe. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtsholfs, dass sich ausländische Versandapotheken nicht an die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel halten müssen, kann zu einer Verunsicherung unter den Apothekern geführt und  damit zu anderem Niederlassungverhalten geführt haben.

Sehr unterschiedliche Gesamtinvestitionen

Prägender Faktor für die Unterschiede ist der ideele Wert. Die Gesamtinvestitionen sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Lagen die Gesamtinvesittionen 2018 noch bei durchschnittlich 598.000 Euro, so standen sie 2019 noch gerade bei 516.000 Euro.

Während jedoch die Höhen des materielle Werts, der die Einrichtung und die IT-Ausstattung, sowie die Investitionen in das Warenlager umfasst, sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert hat, ist der ideele Wert um durchschnittliche 80.000 Euro gesunken.

Welche Gründe gibt es dafür?  Der ideele Wert orientiert sich an Faktoren wie der Kundenstruktur, dem bisherigen Umsatz und dem Standort der Apotheke. Er orientiert sich aber auch an zukünftigen Umsatzchancen. Die jüngsten Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes können einen bremsenden Einfluss auf das Gründungsverhalten gehabt haben.

Trend zum OHG-Apotheker: Gemeinsame Selbständigkeit zunehmend beliebt

Der Apothekenmarkt verzeichnet immer mehr Offizinen, die als Offene Handelsgesellschaften (OHG) organisiert sind. Diese Form bietet eine gute Möglichkeit, sich mit anderen Apothekern gemeinsam niederzulassen. Die apoBank-Analyse zeigt, dass sich 2019 wie auch schon 2018  acht Prozent der Apothekengründer als Gesellschafter für die OHG entschieden haben. 2017 lag dieser Wert noch bei fünf Prozent, 2016 immerhin bei fünf Prozent.  

Der Apothekenmarkt - ein klassischer Übernahmemarkt

Favorit der Gründungsarten: Die Übernahme

Die klassische Niederlassung in einer Einzelapotheke durch Übernahme einer bestehenden Apotheke ist seit Jahren die dominierende Gründungsoption. 2019 lag der Anteil der durch die apoBank begleiteten Apothekengründungen bei 56 Prozent (2018: 58 Prozent).

Neugründung von Filialapotheken stagnieren weiterhin

Ein Blick auf die Neugründung von Filialapotheken zeigt dagegen einen stagnierenden Trend: So lag  2019 der Anteil der Filialneugründungen bei 6 Prozent (2018: 5 Prozent, 2017: 7 Prozent), im gleichen Zuge erreichte der Anteil der übernommenen Apotheken zwecks Filialbildung 29 Prozent, - ein ähnlich stabiler Wert, der seit 2015 immer wieder um 2 Prozent zu- bzw. abnimmt.

Großstädte erfreuen sich steigender Beliebtheit

Bei der Standortwahl scheinen vor allem die großstädtische Gemeinden mit 100.000 und mehr  Einwohnern für Apotheker attraktiv zu sein. Im Verhältnis zur dort lebenden Bevölkerung (32  Prozent) wurden hier 2019  mit 39 Prozent überdurchschnittlich viele Apotheken übernommen beziehungsweise neu gegründet.

Die Attraktivität der Großstadt äußert sich auch in den Kaufpreisen: mit 528.000 Euro lagen sie dort 2019 auf dem zweithöchsten Platz.

Weniger beliebt waren Kleinstädte, in denen zwar 29 Prozent der Bevölkerung leben, aber nur 20 Prozent der Apothekengründungen stattfanden. Hier lagen die Übernahmepreise mit 553.000 Euro deutlich auf dem ersten Platz.  

Nur sieben Prozent der Apothekengründung erfolgten in ländlichen Regionen. Hier lagen die Übernahmepreise bei Landapotheken immerhin noch bei durchschnittlich 480.000 Euro.

Im Norden Deutschlands werden die höchsten Durchschnittspreise erzielt

Für Apotheken im Süden Deutschlands wurden 2019 die geringsten durchschnittlichen Übernahmepreise gezahlt. Durchschnittlich 416.000 Euro haben Apothekengründer im Süden Deutschlands für eine Übernahme gezahlt.

Im Gegensatz dazu zahlten pharmazeutische Existenzgründer im Norden Deutschlands mit im Schnitt 624.000 Euro die höchsten durchschnittlichen Übernahmepreise.

Die apoBank analysiert jährlich das Existenzgründungsgeschehen von Apothekern. Basis der Analyse bilden die Apothekenfinanzierungen, die die Bank im letzte Jahr begleitet hat.

Methodik
Diese Analyse basiert auf einer Stichprobe von rund 350 Apothekengründungen, die durch die apoBank im Jahr 2019 begleitet wurden. Die Daten wurden anonymisiert ausgewertet.

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